Auf dem Weg nach oben – eine Künstlerstory

Von Kunst kann man nicht leben? Rolf Jahn kann es – und das seit zwei Jahrzehnten. Insgesamt über 500 Ausstellungen, Kunstprojekte, Wandmalereien und sein eigener Kunststil zeichnen ihn aus. Der Maler und Zeichner spricht über seinen teils steinigen Weg.

Von Ahmet Dönmez

Die Simon-Meister-Straße. In dieser kleinen und unscheinbaren Kölner Straße kreiert der Maler Rolf Jahn seit über zwei Jahrzenten zahlreiche Kunstwerke. In seinem Atelier wähnt man sich zunächst an der falschen Adresse: Das ist doch eine Bäckerei?! Erst auf den zweiten Blick fällt die Tür zum Atelier des Malers auf. Lachend erklärt der 58-Jährige, dass er sich die Räumlichkeiten seit einiger Zeit mit der Bäckerei teilt.

Sehr lange werkelt der Kölner Künstler bereits in seinem kleinen Atelier, und das sieht man den Räumlichkeiten auch an: dutzende Bilder hängen an den Wänden, sind aufgestapelt oder liegen in Regalen. Nahezu überall sind Farbkleckse – so sehr, dass der Fußboden ein eigenes abstraktes Kunstwerk sein könnte.

„Ich habe eigentlich immer gern gezeichnet.“

Am Tisch erzählt Rolf Jahn voller Leidenschaft über seinen Lebensweg als Künstler. „Mit 12, 13 Jahren, wenn die meisten Kinder wieder damit aufhören, habe ich Strichmännchen und unterirdische Höhlen angefangen zu zeichnen.“ Das spiegelte sich auch in seiner Schulmappe wider, denn „die war hauptsächlich voll so mit merkwürdigen Zeichnungen“, erzählt er lachend. Mit 25 Jahren begann er dann mit dem Studium der Freien Kunst.

Er erzählt über sein erstes Kunstwerk und zeigt einige seiner frühen Zeichnungen und Skizzen, die er seit über 30 Jahren besitzt – das älteste ist von 1981. “ Seit über 25 Jahren lebt er von seinem Künstlerdasein, hat in seinem Leben viel erlebt und mit dem „Raldysmus“ sogar seine eigene Kunstrichtung entwickelt. Raldystische Kunstwerke basieren auf den Impulsen des Unbewussten. Einige Stationen seines Lebenswegs sieht er heute kritisch. Statt sich seinem Künstlersein zu widmen, verbrachte er Jahre seines Lebens mit anderen Berufsgruppen: „Ich habe jahrelang mit Rechtsanwälten Sekt getrunken, weil ich das gut fand. Und jahrelang auf Kreuzfahrtschiffen zu See gefahren, als Schiffskünstler.“ Jedoch war das Leben als ein Künstler auf einem Schiff nicht das Glück, wonach er suchte.

„Wir müssen alle Hürden überwinden, egal wo wir herkommen.“

1984 ging es dann nach Köln, wo er seinem wahren Traum, ein eigenes Atelier zu eröffnen, verwirklichen konnte. „Ich hatte niedrige Festkosten und habe dann auch noch als gelernter Maler und Lackierer gearbeitet, später hatte ich noch einen Nebenjob. Ich musste eigentlich wenig arbeiten, um mein Leben finanzieren zu können. Das ist kein Vergleich zu heute, wo ein kleines Zimmer 500 bis 600 Euro kostet und man dann nichts zu essen hat.“ Vor allem von den Erzählungen seiner Eltern über die traumatisierenden Erlebnisse vom zweiten Weltkrieg geprägt, wollte er schöne und fröhlichere Bilder malen, um sich von negativen Gedanken zu lösen. Die Kunst war es, das ihm letztendlich ermöglicht hat, es zu schaffen. „Es war sicherlich nicht immer alles einfach, aber das kann ja auch eine Methode sein, um sich von dem, was nicht schön ist, zu befreien.“

Dieser Gedanke zeigt sich auch in seinem Engagement im sozialen Bereich: Jahn bietet Kunstprojekte an Schulen, in Krankenhäusern und Psychiatrien. „Ich bin von der heilenden Kraft des kreativen Prozesses überzeugt. Ich denke, wenn man malt und zeichnet, oder tanzt oder Musik macht, dann geht’s einem besser, als wenn man das nicht tut. Ich glaube, ein kreatives Medium ist für jeden gut. Und das versuche ich durch diese Arbeit zu unterstützen und zu fördern.“

Die Frage des Geldes

Rolf Jahn lebt zwar von seinem Verdienst als Künstler und hat seine Stammkunden, die ihm dieses Leben ermöglichen. Doch das war nicht immer so. Immer wieder wollte er den Beruf des Künstlers an den Nagel hängen, um andere Wege einzuschlagen. Jetzt kann er darüber nur schmunzeln: „Ich hatte Phasen, in denen ich nur 300 Euro hatte. Dann ist die Stimmung in der Familie auch nicht gut. Da muss der Partner oder auch die Partnerin gucken, wie man das gemeinsam aushält.“ Allein hätte er das definitiv nicht durchgestanden, wie er verrät. Zwar löste seine Entscheidung als ein hauptberuflicher Künstler zu arbeiten anfangs keine Begeisterung in der Familie aus, jedoch stärkte ihm die Familie seinen Rücken. Vor allem seine Frau hat eine wichtige Rolle in seinem Künstlerleben. „Ich habe das Glück, dass meine Frau mich ganz stark unterstützt“. Seit über zwei Jahrzenten ist auch die Frau des Künstlers an der Arbeit beteiligt und kümmert sich um die Vermarktung der Arbeiten des 58-Jährigen.

Video: Ahmet Dönmez; Musik: La Mia patria – GEMAfreie Musik von https://audiohub.de
Lizenz: CC BY (https://creativecommons.org/licenses/by/4.0/)

Seinen bisher größten Erfolg hatte Rolf Jahn mit den „Unikatbüchern“, die er seit vielen Jahren produziert. Dabei handelt es sich um Kunstbücher anderer Künstler, worin er die Abbildungen bearbeitet: „Ich bemale die Kunstbücher und mache sie verständlicher.“ Diese Arbeit trug Früchte, und er konnte in der Kunst- und Museumsbibliothek im Museum Ludwig 50 von diesen Büchern ausstellen. „Leider waren es während der Eröffnung so ungefähr 40°. Das war dann bisschen heiß und dann sind die Leute ganz schnell wieder gegangen.“ Von solchen Ausstellungen wünscht er sich noch mehr. „Ansonsten freue ich mich aber, wenn ich weiter in der Lage bin, Bilder zu malen, die die Menschen berühren. Wenn ich Glück habe, verkaufe ich auch was“, wie er schmunzelnd sagt.

Als Berufskünstler durchstarten. Doch nicht so schwer?

Rolf Jahn hat es zwar geschafft, seine Leidenschaft zum Beruf zu machen. Jedoch sollten Menschen, die mit dem Gedanken spielen, den Weg eines Berufskünstlers einzuschlagen, sehr gut darüber nachzudenken, rät Jahn. Denn neben den möglichen finanziellen Problemen wird man so viel Zeit, wie man in der Freizeit mit seinen Kunstwerken verbringt, als Berufskünstler wohl nicht haben, „weil man fast nur mit der Vermarktung, mit der eigenen Promotion, mit der eigenen Akquisition usw. zu tun hat“. Ganz viele Künstler schaffen dies nicht und wollen in ihrem stillen Kämmerchen entdeckt werden, wie Jahn sagt. Kunst als Hobby habe den „Vorteil, dass man viel, viel mehr Zeit für die Produktion hat.“ Andererseits stehen einem als Berufskünstler viele Tore offen – „und das ist die fast einzige Berufsgruppe, die eigentlich komplett selbst bestimmen kann. Ich kann meine Klientel bestimmen, ich kann mein Material und meine Themen auswählen.“ Um jedoch erfolgreich als hauptberuflicher Künstler zu sein, muss man eine Art „kontaktfreudige Rampensau“ sein, wie er verrät. Denn neben dem künstlerischen Talent, sei es auch wichtig, potenzielle Kunden von sich und seinen Werken zu überzeugen.

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